Jahresprogramm 2011 des Historischen Vereins /Kritik an Passionsausstellung
Ein Stammtisch mit Zeitzeugen der Befreiung Oberammergaus von der Naziherrschaft durch US-Panzer am 29. April 1945 war die einzige öffentliche Veranstaltung des Historischen Vereins Oberammergau im Passionsjahr. Solche Veranstaltungen sollten künftig in Film und Ton aufgenommen werden, empfahl Vereinsvorsitzender Franz Kümmerle in der Jahres- versammlung im Gasthof „Zum Stern“, um die Zeitzeugnisse der Nachwelt überliefern zu können. Das sei nicht nur wegen der Dorfereignisse wertvoll, sondern auch wegen des Dialekts, in dem die Zeitzeugen berichtet hätten. Anton Norz habe bei dem Stammtisch einen so unverfälschten Oberammergauer Dialekt gesprochen, wie er im Passionsdorf nur noch selten gesprochen werde. Kümmerle: „Herkömmlichen Oberammergauer Dialekt spricht man heute nur noch in Unterammergau.“ Nach den durch die Passionsspiele eingeschränkten Vereinsaktivitäten soll es im nächsten Jahr wieder richtig losgehen. Zwei Stammtische sind geplant. Einer unter dem Thema „Geschichte als Standortfaktor“. Uwe Reineke möchte dazu in Anbetracht der Museen in Ettal, Oberammergau und Bad Bayersoien „geschichtliches Bewusstsein schaffen, was auch für den Tourismus interessant sein kann“. Dazu würde auch eine Exkursion zu den Wetzsteinbrüchen in Unterammergau passen, schlug Kümmerle vor. Beim zweiten Stammtisch soll es um die Entwicklung der Landwirtschaft in Oberammergau gehen, über die Vereinsmitglieder bereits gearbeitet haben. Zum 125. Todestag von Ludwig II. will man der Frage nachgehen, welche Verbindungen der Märchenkönig zu Oberammergau hatte. Auch mit der Rottstraße, die im 15. und 16. Jahrhundert von Venedig über Oberammergau nach Augsburg führte, will man sich demnächst näher befassen. Eine Diskussion entspann sich um die die Passion begleitende Ausstellung „Ein Dorf spielt die Erlösung“ über die Geschichte des Passionsspiels, deren Focus auf den mitwirkenden Dorfbewohnern liegen sollte. Kritisiert wurde, dass sie „mehr am Marketing als an wissenschaftlicher Information ausgerichtet“ gewesen sei. Die Bilderwand habe nur die Namen der früheren Mitwirkenden aber keine weiteren Angaben zu ihrer Person, wie beispielsweise ihren Hausnamen, enthalten. Insgesamt sei die Ausstellung „schmalspurig“ und „mehr als mittelmäßig“ gewesen. Ein Bildvortrag von Maximilian Laubert über die Entwicklung des Bühnenbildes bei den letzten drei Passionen schloss den Abend ab.