Präsentation J. Brandner, 16. März 2012 "Die Murnau-Werdenfelser" Autor: Josef Brandner, Ohlstadt
Präsentation J. Brandner, 16. März 2012 "Die Murnau-Werdenfelser" Autor: Josef Brandner, Ohlstadt

Ein historischer Vortrag über die Rinderrasse, die als regional typisch gilt, sollte es werden. Zum Plädoyer für die Bedeutung des Murnau-Werdenfelser Rindes als Tourismus- und Wirtschaftsfaktorfaktor wurde es. Josef Brandner, ehemaliger Lehrer aus Ohlstadt stellte seine Forschungsergebnisse zum Murnau-Werdenfelser Rind den gut 40 Gästen des Historischen Vereins Oberammergau im Gasthof Stern vor. In Archiven und in der Kunst hatte er ein bemerkenswertes Gesamtbild zur Entstehung und Bedeutung dieser Rinderrasse gefunden, das viele Zuhörer überraschte. Verheerende Viehseuchen im 18. und 19. Jahrhundert hatten zu dieser regionalen Züchtung geführt. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Murnau-Werdenfelser Rinder als eigene Rasse wahrgenommen, die Zuchtziele werden sogar erst 1931 vom Zuchtverband festgelegt. In der Wirtschaftswunderzeit nach dem Zweiten Weltkrieg stirbt die Rasse wegen der Mechanisierung und Technisierung fast aus. In den gut 100 Jahren, in denen die typischen rostgelben bis braunen Rinder das Bild der Region mitprägten, waren sie vor allem wegen ihrer Anspruchslosigkeit und ihrer hervorragenden Eigenschaften als Zugochsen geschätzt. Diese Rasse konnte noch bei winterlichen Waldarbeiten eingesetzt werden, wenn mit Pferden nichts mehr ging. Als Milchlieferant waren sie dem Fleckvieh, der Schwarzbunten, deutlich unterlegen, weswegen der Höchststand des Bestandes, so Brandner, auch 1896 nur 61900 Exemplare auswies. Der heutige Bestand der Rasse liegt bei ca. 1000 Tieren, die in kleinen Beständen bei vielen Landwirten und Züchtern verteilt sind. Zwei der Züchter waren beim Vortrag anwesend, Oberammergaus Altbürgermeister Klement Fend vom Warbichlhof und Dr. Volker Zahn, der in Kreut bei Peiting 20 Tiere auf einem Arche-Hof hält. Beide lobten die besonderen Eigenschaften dieser Rinderrasse, wobei der Altbürgermeister besonders die Vorteile für den Tourismus betonte. Mit einem Bestand von 300 Milch gebenden Tieren könne ein Käse produziert werden, der als allein stehendes landwirtschaftliches Regionalprodukt als Spezialität vermarktet werden könne. Wegen der geringen Ansprüche könnten die Rinder auch ein typisches Landschaftsbild prägen, das es nur in dieser Region gäbe. Dr. Zahn hob dagegen eher die Schönheit und den Charakter der Rinder hervor und wies darauf hin, dass wegen der hohen Fleischqualität und wegen des geringen Angebotes die Fleischpreise für das Murnau-Werdenfelser Rind extrem hoch seien. Das Angebot liege deutlich unter der Nachfrage. Beide waren sich einig, dass der Erhalt der Rasse nicht nur aus ästhetischen und sentimentalen Gründen erstrebenswert wäre, sondern gerade auch aus wirtschaftlichen Gründen für die Fleischerzeuger, die gehobene Gastronomie und für die Tourismusregion. Der Referent, Josef Brandner, und der Veranstalter, Franz Kümmerle, Vorsitzender des Historischen Vereins Oberammergau, waren mit dem Verlauf und Ergebnis des Abends sehr zufrieden, weil sich neue Aspekte zum Thema „Geschichte als Standortfaktor“ ergeben hatten. Die Unterstützung von Landwirten, die auf das Murnau-Werdenfelser-Rind umsteigen wollen , wurde angedacht. Beide Historiker wussten aber auch mit sehr unterhaltsamen Anekdoten zum Thema flinke Rinder die Zuhörer zu verabschieden. (Uwe Reineke) Unterschrift Bild: Plädoyer für eine seltene Rasse: (v.l.) Franz Kümmerle (histor.Verein), die beiden Züchter Klement Fend und Dr. Volker Zahn sowie Referent Josef Brandner.