„Am 4. Juni (1632) drang eine raubsüchtige Horde feindlicher Reiter in das Gebirge herein, besonders das Kloster Ettal heimzusuchen.“ So berichtet der Oberammergauer Pfarrer Joseph Alois Daisenberger in seiner 1859 verfassten „Geschichte des Dorfes Oberammergau“ über den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Auch in Oberammergau fielen die Räuber ein und zerschlugen den Kirchenschrein. Und dann wütete die Pest im Ammertal. Schwere Zeiten, an die Privatdozent Dr. Martin Hille von der Universität Passau erinnerte. Auf Einladung des Historischen Vereins hielt er einen Vortrag im Gasthof „Zum Stern“. Die rund drei Dutzend Zuhörer hörten dabei von dem langen Leidensweg, der für die Menschen zwischen Lech und Isar mit dem Einfall der Truppen des Schwedenkönigs Gustav Adolph begann. Zahllose Feldkreuze und Pestkapellen, aber auch Wallfahrten und Votivbilder zeugen noch heute von den Heimsuchungen. „Der Großteil der Toten sei nicht den militärischen Aktionen, sondern der Pest zum Opfer gefallen“ betonte Hille. Nicht nur in Oberammergau, sondern auch in umliegenden Dörfern. Wie beispielsweise im 25 Kilometer entfernten Böbing, wo ein Pestfriedhof an die 187 Opfer erinnert. In Schongau waren es über 500. In Peiting 300, in Wildsteig 168, in Lechbruck 204 und in Rottenbuch, wo es auch noch einen Pestfriedhof gibt, starben „fast sämtliche Bewohner mit wenigen Ausnahmen“.
Dunkle Zeiten - Als Pest und der Krieg im Ammertal wüteten
Garmischer-Tagblatt