Als die Briten die Passion entdeckten Oberammergau Bei einer Studienreise in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Bad Gastein erfuhr der Brite William Charles Cook zum ersten Mal von den Passionsspielen in Oberammergau, die hier schon seit 200 Jahren aufgeführt wurden. Er gilt als der Entdecker der Passion, die er 1840, 1850 und 1871 dann selbst besuchte. Er kam nicht alleine. Immer mehr Landsleute schlossen sich ihm an, trotz der damals noch beschwerlichen Reise mit Schiff, Eisenbahn und Postkutsche. Über die Entdeckung und Wahrnehmung der Passionsspiele durch die ersten englischen Besucher, wie sie sich in Zeitschriften und Büchern widerspiegelte, referierte am Freitag auf Einladung des Historischen Vereins im Gasthof Zum Stern die Kulturwissenschaftlerin Barbara Brüll aus ihrer Bachelor-Arbeit: „Pauschalreise oder Pilgerfahrt – Die Viktorianer in Oberammergau 1840 bis 1880“. In Britannien regierte im 19 Jahrhundert Königin Viktoria, die 1840 ihren deutschen Cousin Albert von Coburg-Sachsen und Gotha geheiratet hatte. Die Viktorianische Epoche wurde von der Anglikanischen Staatskirche geprägt. Die Viktorianer, die nun mehr und mehr Oberammergau besuchten, waren von den Passionsspielen tief beeindruckt. Jemina Montgomery, Baronin Tautphöus, die in ihrem Buch „Quits“, das es heute noch im Handel gibt, 60 von 642 Seiten der Passion widmete, schrieb 1857: „Das Spiel bewegt und überwältigt mehr als jede Predigt.“ Rund 30 Besucher erlebten einen gut recherchierten, lebendigen und anschaulichen Powerpoint-Vortrag über einen wenig bekannten Abschnitt der Geschichte des Passionsspiels.
Die Viktorianer in Oberammergau 1840-1880
Garmischer-Tagblatt