Einer Kuh ist eine Aufsehen erregende historische Entdeckung zu verdanken, die die Besetzung Oberammergaus durch die Römer belegt.: Ein silberverzierter Dolch eines römischen Offiziers. „Sie stampfte ihn auf der Flucht aus dem lockeren Erdreich“, heißt es dazu im offiziellen Oberammergau-Führer der Gemeinde von 1980. Ein Abbild dee Fundstücks zierte auch das Einladungsplakat des Historischen Vereins Oberammergau zu einem Vortrag des Archäologen Dr. Werner Zanier (München) über die „Zwei Fundplätze der römischen Okkupation in Oberammergau“. Die Erforschung der Frühgeschichte des Passionsdorfes begann erst vor 20 Jahren, nachdem der Oberammergauer Emil Bierling einen weiteren Dolch am Döttenbichl gefunden hatte. Daraufhin wurden hier in den 90er Jahren bei Grabungen 1500 Metallobjekte und 1996 – wieder durch Bierling – über 700 Glasperlen gefunden, berichtete Dr. Zanier Der Oberammergauer Professor für Archäometrie Dr. Josef Riederer habe die Fundobjekte dankenswerter Weise analysiert und ihrer Zeit und Materialbeschaffenheit zugeordnet. Am Döttenbichl wurden sowohl Belege für die Anwesenheit der damals rätischen Bewohner Oberammergaus wie Armreife, Gürtelschnallen, Sensenblätter und andere Werkzeuge sowie Keramikscherben gefunden, als auch römische Münzen, Schuhnägel, Geschoss- und Pfeilspitzen. Drei Katapultspitzen tragen den Stempel LEG XIX, der für die 19. römische Legion steht, die 9 n. Chr. in der Varusschlacht vernichtend zerschlagen wurde. Dem Döttenbichl auf der anderen Ammerseite gegenüber, am Raienenbichl, fand der Hobbyarchäologe Peter Nitzsche 2009 mit seiner Metallsonde ebenfalls Geschoss- und Pfeilspitzen sowie Zeltheringe und römische Münzen, aber auch einen Gürtelhaken, einen Hammer und eine Radnabe, die den damaligen Einheimischen zugeordnet werden. Was sich in den Jahrzehnten um Christi Geburt tatsächlich am Döttenbichl und Rainenbichl zugetragen hat, weiß niemand genau. Dr. Zanier meint, dass am Döttenbichl ein heiliger Opferplatz gewesen sein könnte. Am Rainenbichl hält er eine römische Militärstation, eine Rückzug- oder Fluchtsiedlung, aber auch einen Schlachtplatz für möglich- Wie groß das Interesse der Oberammergauer an ihrer Frühgeschichte ist, zeigte der gute Besuch der Veranstaltung. Über 80 Gäste waren ins Pfarrheim gekommen. „So viele Besucher hatten wir noch nie beim Historischen Verein“, schloss Ludwig Utschneider den Vortragsabend.