Es war der 29. April vor 65 Jahren. Dass der Zweite Weltkrieg bald zu Ende gehen würde spürten alle. Auch in Oberammergau. Manche rätselten noch, ob die Amis oder die Russen kommen würden. Aber die Mutter von Anton Norz wusste: „Die Amerikaner kommen.“ Sie hatte „schwarz“ einen „Feindsender“ abgehört. Tatsächlich waren die US-Panzerspitzen an diesem Sonntag von Schongau kommend schon an der Echelsbacher Brücke und um 11.15 Uhr am Oberammergauer Dorfeingang. Um 11.30 rollten die ersten Panzerspähwagen und anschließend schwere Panzer durch den Ort. So berichtete der Geistliche Rat Bogenrieder, Pfarrer von Oberammergau, an das erzbischöfliche Ordinariat Einen solchen Überblick über die Ereignisse dieses historischen Tages hatten die drei Zeitzeugen, die der Historische Verein zum Stammtisch ins Gasthaus Zum Stern eingeladen hatte, nicht. Helmut Eitzenberger, Albert Kratz und Anton Norz, alle Jahrgang 1931, waren damals erst 14 Jahre alt. Ein paar Fanatiker wollten das Dorf verteidigen, berichtete Norz. Andere hätten gesagt: „Lasst den Blödsinn sein.“ Dennoch wurde geschossen, unterhalb der Bärenhöhle. Das haben sie alle gehört. Und einen Flieger sahen sie über dem Ort kreisen. Panzer hatten die Jungen ja schon gekannt, aber die US-Jeeps seien für sie neu gewesen. „So ganz ohne Dach, komische Autos“, erzählte Eitzenberger. Besonders fasziniert hatten die jungen Leute die Waffen, die von den flüchtenden deutschen Soldaten weggeworfen worden waren. Kratz schilderte wie sie in Schützengräben Handgranaten gefunden und eine Panzerfaust auseinandergebaut hatten. Zwischen den Kaserne und den Messerschmitt-Stollen im Laber hätten sie in den Baracken Zündschnüre und Sprengkapseln gefunden, ergänzte Norz. Nur gut fünf Stunden dauerte die Befreiung Oberammergaus. Norz: „Um 17 Uhr war alles vorbei.“ Aber danach mussten viele Ammergauer ihre Wohnungen für die Besatzer räumen. Und die nahmen, wenn sie weiterzogen, so manches „Andenken“ an den Passionsort mit. Keine Schnitzwaren, sondern Schmuck und Uhren, die sie für wertvoller hielten. „Manche hatten die Arme voller Uhren“, erinnerten sich andere Zeitzeugen unter den Besuchern.